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20. November 2017

Grüne Banane – jetzt schon an die Ernte denken

Verkehr beruhigen ohne die Bürger aufzuregen

Banane als Exhibitionist
Foto: Silentpilot

Verkehrsberuhigung für Fortgeschrittene

Picknicken auf dem Lindener Markt, skaten auf der Stephanusstraße… die Verkehrsberuhigung „Grüne Banane“ klingt vielversprechend. Ob dieses Projekt bei den Bürgern ankommt, ob sich dafür politische Mehrheiten finden, muss die Zukunft erst noch zeigen.

Bei meiner kleinen Umfrage zur Grünen Banane zeichnet sich eine klare Mehrheit für die Verkehrsberuhigung ab. Die Grünen Linden-Limmer haben bei den Anwohnern und Geschäftsleuten am Lindener Markt und Stephanusstraße eine Befragung durchgeführt. Dieses Ergebnis steht noch aus.

So soll die Grüne Banane aussehen

Vier Fragen an die Grüne Banane

Eigentlich kann niemand bei Verstand gegen Verkehrsberuhigung sein. Das die Stadtplätze für die Menschen da sind, wird auch niemand ernsthaft bestreiten wollen. Aus meiner Sicht gibt es aber einige Fragen zu klären, bevor man die Autos „einfach so“ aussperrt. Eingeflossen sind auch einige Ideen und Fragen, die ich als Rückmeldung zu meiner Umfrage bekommen habe.

Was passiert mit den Arbeitsplätzen, die an der Automobilproduktion hängen?

Diese Frage ist vielleicht am weitesten von der Verkehrsberuhigung  von Lindener Markt und Stephanusstraße entfernt. Die Grüne Banane – wenn sie kommt – wird darauf auch keinen Einfluss haben. Aber wir sollten schon eine Diskussion führen, wie eine Transformation der Automobilindustrie wirtschaftspolitisch und sozialverträglich organisiert werden kann. In meinem Eingangsbeitrag zur Grünen Banane habe ich darüber geschrieben, wie „Auto-abhängig“ wir alle sind: Allein in Niedersachsen arbeiten etwa 110.000 Menschen in der Automobilindustrie, ca. 30 % aller Industriearbeitsplätze (inklusive der Zulieferindustrie) hängen von der Fahrzeugherstellung ab. Ein erheblicher Anteil aller Steuereinnahmen von Land, Region und Stadt kommen direkt oder indirekt vom Volkswagen-Konzern. Auch darüber müssen wir diskutieren – alles andere ist St.-Florians-Prinzip.

Wo parken die Autos, wenn Lindener Markt und Stephanusstraße entfallen?

Hat Linden zu viele Autos oder zuwenig Parkplätze? Ansichtssache, je nachdem ob man Sympathisant des ADAC oder ADFC ist 😉 Immer mehr Menschen steigen auf Car-Sharing und Fahrrad um. Aber bis dieser „natürliche“ Fahrzeugschwund die Parkplatznot entspannt werden Jahre vergehen. Wir würden „Bürger-Aufregung“ statt Verkehrsberuhigung bekommen, wenn wir bestehende Parkplätze ersatzlos streichen. Meine Forderung an die Grüne Banane wäre darum: Für mindestens 50 % der entfallenden Parkplätze müsste ein Ersatz nachgewiesen werden.

Zu viele Autos oder zuwenig Parkplätze? Was ändert sich durch die Grüne Banane? Klick um zu Tweeten

Dazu gibt es die Idee, unter dem Lindener Markt eine Tiefgarage als Stadtteil-Parkhaus zu bauen. Ich fürchte, das wird ebenso scheitern wie das ursprünglich in der Velberstraße geplante Stadtteilparkhaus. Das sollte mal Ersatz für die Parkplätze sein, die durch die Umwandlung der Limmerstraße in eine Fußgängerzone entfallen sind. Es hat sich aber niemand gefunden, der Willens oder in der Lage gewesen wäre, ein solches Stadtteil-Parkhaus wirtschaftlich zu betreiben. Das wird bei einer Tiefgarage unter dem Lindener Markt nicht anders sein. Denn eines hasst der Autofahrer noch mehr als fehlende Parkplätze: Parkplätze die Geld kosten.

Wo wird der Verkehr fließen, wenn die Grüne Banane kommt?

Ganz zu Recht haben einige Teilnehmer der Umfrage kritisiert, dass der Autoverkehr überwiegend in die Nebenstraßen ausweichen wird. Das kann auch nicht gewollt sein. Das heißt für mich: Die Grüne Banane muss ein umfassendes Verkehrskonzept für den Stadtteil werden. Mit einer bloßen Sperrung von Stephanusstraße und Lindener Markt für Autos wird es nicht getan sein. Und: Dieses Verkehrskonzept sollte wenigstens ein Jahr in der Praxis erprobt werden. Idealerweise mit einer erneuten Bürgerbefragung am Ende der Testphase.

Können Straßenbahn und Bus die Autos ersetzen?

Ladeninhaber sehen sich in einer Abhängigkeit vom PKW-Verkehr und fürchten um ihre motorisierten Kunden, falls es eine Verkehrsberuhigung gibt. Ich würde das differenzierter betrachten: Bei Waren, die ein Käufer notwendigerweise mit einem Auto transportieren müsste, würde ich diese Sorge teilen. Solche Geschäfte gibt es meines Wissens im Gebiet der Grünen Banane aber nicht.

Bringt die Grüne Banane auch neue Kunden? Kommentieren Sie hier: Klick um zu Tweeten

Bleiben Waren und Sortimente, für die Kunden typischerweise einen weiteren Weg in Kauf nehmen. Hier sind die Geschäftsleute auf eine erstklassige Anbindung durch den ÖPNV angewiesen. Momentan ist die Anbindung nicht schlecht. Sie müsste aber deutlich besser werden, wenn der ÖPNV den PKW-Verkehr kompensieren muss.

Mit der Üstra haben wir es da allerdings mit einer störrischen Diva zu tun: Sie spielt nach ihren eigenen, geheimnisvollen Regeln – Kundenorientierung gehört eher weniger dazu. So sperrt sich die Üstra bis heute gegen die Erweiterung „Go West“, legt die Standorte der künftigen Hochbahnsteig-Haltestellen in einem extrem grobmaschigen Netz fest. Die Haltestelle Ricklinger Straße wird gestrichen, obwohl dort mit den Ihmeauen gerade großer Bedarf entsteht, zur Anbindung der Wasserstadt sind auch noch keine Ideen in Sicht.

Eine Frage an Linden-Limmer

Welche Probleme müssten Ihrer Meinung nach noch geklärt werden, bevor eine Grüne Banane umgesetzt werden kann? Bringen Sie sich in die Diskussion ein und nutzen Sie die Kommentarfunktion (unten auf der Seite).

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1 Kommentar zu Grüne Banane – jetzt schon an die Ernte denken

  1. Eine zusätzliche Parkgarage im Stadtteil ist total überflüssig. Im Ihmezentrum gibt es eine Tiefgarage mit vielen hundert Stellplätzen die sicherlich nur zum kleinen Teil ausgelastet ist. Von dort zum Lindener Markt sind es keine 5 Min. zu Fuß.
    Wir haben mit unserem Laden in der Posthornstraße (limetrees) durch die Baustelle keinen nennenswerten Umsatzrückgang festgestellt. Es geht also auch ohne den Durchgangsverkehr.
    Und genau das ist auch das Problem. Die Stephanusstraße und Posthornstraße sind eine Abkürzung Richtung Badenstedter Straße bzw. Schnellweg. Die Leute die da durchfahren wollen überhaupt nicht zum Lindener Markt und halten dort auch nicht um schnell noch was einzukaufen. Eine Verkehrsberuhigung kann man auch so gestalten das alle weiterhin zum Markt kommen die dort hinwollen. Der Durchgangsverkehr kann aber über Schwarzer Bär, Deisterstraße geleitet werden.

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  2. Mein Senf zur Grünen Banane: Wo bleiben die Bürger bei der Beteiligung?

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