Neulich
16. November 2018

Fössebad: Ratspolitik und Sportlobby lassen die Maske fallen

Schon wieder wird Linden-Limmer hinter die Dusche geführt

Wütend! Gelbes Quadrat mit zornigem Gesicht vor roter Ziegelwand

Vor der Kommunalwahl sollte das Fössebad noch saniert oder neu gebaut werden – Halle und Freibadbereich. Das war Konsens. Das haben die Parteien unisono ihren Wählern suggeriert. Nach der Kommunalwahl wurde das Freibad gestrichen, aber ein 50-Meter-Wettkampfbecken beschlossen. Doch Rat und regierende Ampel behaupten, das Fössebad habe eine familienfreundliche und stadtteilorientierte Ausrichtung. Jetzt zeigen Rats-Ampel und Sportlobby ihr wahres Gesicht: statt der geplanten 250 Zuschauer fordert man jetzt 1000 Tribünenplätze – damit man Meisterschaften und Champions-League-Spiele im Wasserball veranstalten kann. Für die Sportlobby ist Geld da, für die Bürgerinnen und Bürger nicht?

Waspo und Sportlobby reißen sich das Fössebad unter den Nagel

Mir kann keiner erzählen, der Coup mit den Tribünen sei nicht von langer Hand eingefädelt worden. Die Sportfunktionäre müssen jederzeit gewußt haben, welche Anforderungen ein Wettkampfbad erfüllen muss. Diese Forderungen legen sie erst jetzt auf den Tisch? Und die Damen und Herren Sportpolitiker: Wussten sie nicht, wie ein Wettkampfbad ausgestattet sein muss oder haben sie es verschwiegen? Das lässt für mich nur zwei Schlussfolgerungen zu: Rücktritt wegen Inkompetenz oder Rücktritt wegen Unehrlichkeit. Sie haben die Wahl.

Nonsens statt Konsens: Sportpalast statt Familienbad? #Fössebad Klick um zu Tweeten

Ratspolitiker und Sportfunktionäre zeigen Familien den Stinkefinger

Rat und Sportverbände hätten von Anfang eingestehen müssen, dass Hannover ein zweites Stadionbad braucht. Weil das alte Stadionbad nicht mehr ausreicht, nicht mehr den Wettkampfbedingungen entspricht, ziemlich marode und streng genommen abgängig ist. Bei dem jahrelangen Gefrickel am Sport- und Wasserflächenkonzept – inklusive teurer externer Gutachter – sollten die Verantwortlichen das bemerkt haben. Und man hätte die ganze Planung bei der Kommunalwahl 2016 zur Abstimmung stellen müssen. Das wäre ehrliche Politik gewesen.

Wieso entscheiden Sportpolitiker über die soziale Infrastruktur im Stadtbezirk? #Fössebad Klick um zu Tweeten

Elitenförderung unter dem Deckmäntelchen des “Breitensports”

Was die Sportvereine im Allgemeinen und Waspo 98 im Besonderen leisten ist großartig. Und ja, das verdient Förderung und angemessene Sportstätten. Aber nicht zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger! Denn was Waspo 98 treibt ist Spitzensport. Wenn deren redegewandter Präsident mit dem einnehmenden Wesen das als Breitensport etikettiert, dann ist das eine Nebelkerze um Politik und Bürgern sein Projekt Sportpalast unterzujubeln.

Auf Nachfrage beteuert Seidensticker zwar, er habe nichts gegen ein Freibad. Und sicherlich hat er nichts dagegen, dass sein Sportbad außerhalb der Trainings- und Wettkampfzeiten von gewöhnlichen Bürgern ausgelastet wird. Das hilft ja auch der Durchsetzung seines Ziels. Man muss dazu aber auch wissen, dass der Waspo 98-Präsident im doppelten Interessenkonflikt steckt: Als Betreiber des Volksbades Limmer wird er sich keine Freibad-Konkurrenz wünschen. Und als Sportfunktionär ist er seinen Sportlern und Verein gegenüber verpflichtet – nicht dem Allgemeinwohl.

Öffentlich bekundet Seidensticker zwar Wohlwollen gegenüber einem Freibad in der Fösse und einem bürgerorientierten Fössebad. Ich habe aber noch nichts gesehen, was diese Lippenbekenntnisse mit Tatsachen unterlegt.

Das Fösse-Wunder: 1,5 Millionen € fallen vom Himmel

Die Rede ist von 500 Tribünenplätzen mindestens, der Präsident von Waspo 98 hält 1000 Tribünenplätze für “angemessen”. Allein bei 500 Tribünenplätzen kalkuliert die Stadt mit Mehrkosten von 1,5 Millionen €. An zusätzlichen Tribünenplätzen aber wolle man es nicht scheitern lassen, lässt sich schon ein Sportpolitiker der regierenden Ampel zitieren.

Hier werden mit Nonchalance mal eben Millionenbeträge durchgewunken, weil doch Hannover eine Sportstadt sei. Hannover ist auch “City of Music” – aber zu einem vergleichbaren Engagement zum Erhalt des Béi Chéz Heinz will man sich nicht aufraffen.

Zusätzliche Sitzplätze im Wert von 3 Freibadbecken - was haben die Familien davon? #Fössebad Klick um zu Tweeten

Tatsache ist, für die Tribünenplätze will man ein mehrfaches von dem ausgeben, was ein neues oder saniertes Außenbecken kosten würde. Mit dem feinen Unterschied, dass ein Freibadbereich ein Angebot an alle Familien weit über den Stadtbezirk hinaus gewesen wäre.

Schluss mit der Salami-Taktik – jetzt müssen alle Karten auf den Tisch

Was kommt als nächstes? Wären vielleicht noch Ehrenlogen und eine VIP-Lounge für die Sport-Funktionäre angenehm?

Erst wurde den BürgerInnen das Freibad genommen, jetzt bleibt ihnen nur noch die Zuschauerrolle in einer Schwimmsport-Arena #Fössebad Klick um zu Tweeten

Richtig ist: Hannover braucht neben dem Stadionbad ein zweites Wassersportzentrum. Wobei man sich genau überlegen sollte, ob ein (vergrößerter) Neubau des Stadionbades nicht die intelligentere und wirtschaftlichere Lösung ist.

Aber die Sportförderung darf nicht um den Preis eines Familienbades ausgeweitet werden. Die Sportinfrastruktur für ganz Hannover und die Region darf nicht auf Kosten eines einzelnen Stadtbezirks ausgebaut werden – das ist eine gesamtstädtische Aufgabe.

Will die Politik wirklich ein Familienbad dem Leistungssport opfern? #Fössebad Klick um zu Tweeten

Ein Wettkampfbad in Linden-Limmer bietet den Familien in Hannovers Westen nur noch Sport zum Zugucken. Zum selber schwimmen bleibt kaum noch eine Möglichkeit. Das lässt sich schon jetzt an den für die Öffentlichkeit stark eingeschränkten Schwimmzeiten im Stadionbad erkennen. Mit der angepeilten Ausweitung des Spitzensports – und der Schließung des Stadionbades für einige Jahre – bleibt dem Westen Hannovers nur noch eine Zuschauerrolle.

Update: Ein Wettkampfbad in der Fösse ist auch verkehrspolitisch ein Irrsinn!

Das Fössebad muss Familienbad bleiben! Wiederaufbau des Kombibades jetzt!

Bilder mit freundlicher Genehmigung von Andre Hunter, Wikimedia und Johannes Plenio

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


--- Tracking Code --- --- Ende Tracking Code ---
%d Bloggern gefällt das: