Zwischen Friedhofsruhe und der Hoffnung auf den „Tag X“
Die Bilder mutiger Frauen und Männer auf Irans Straßen gehen um die Welt. Jedes Mal keimt bei mir die Hoffnung auf: Ist dies das Ende der Mullah-Diktatur? Doch während wir am Bildschirm mitfiebern, festigt das Regime mit skrupelloser Gewalt seine Macht. Mein persönlicher Blick auf ein Land, das gefangen ist zwischen Korruption und dem Drang nach Freiheit.
Das Paradox der Hoffnung
Kennst du das? Man sieht die Posts aus dem Iran1Iran bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Iran in den sozialen Medien, die Menschenmassen, den unbändigen Mut. Man will glauben, dass es nur noch Stunden sind, bis dieses System in sich zusammenbricht2Hintergründe und Überblick zu den aktuellen Protesten https://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_im_Iran_2025/2026. Doch die Geschichte lehrt uns eine bittere Lektion.
Schon 2009 während der „Grünen Revolution“ dachten wir: Jetzt passiert es. Dann 2011, 2017, 2019 und zuletzt die gewaltige „Frau, Leben, Freiheit“-Bewegung 2022. Jedes Mal wurde die Hoffnung blutig niedergeschlagen. Warum? Weil das System tiefer verwurzelt ist, als wir es uns wünschen.
Ein Staat als Beute: Warum die Eliten nicht weichen
Das Problem ist nicht nur die Ideologie – es ist das Geld. Die Revolutionsgarden (IRGC) sind kein bloßes Militär; sie sind das größte Wirtschaftskonglomerat des Landes. Sie kontrollieren Häfen, Fabriken und den Ölmarkt.
- Tipp: Wer tiefer graben will, dem empfehle ich die ARTE-Doku „Irans heimliche Herrscher“3https://www.arte.tv/de/videos/RC-027057/irans-heimliche-herrscher-die-revolutionsgarden/ oder den Bericht über die „Schattenflotte der Ayatollahs“4https://www.zdf.de/play/reportagen/die-spur-224/ayatollah-iran-sanktionen-oel-tanker-100?q=Die+Schattenflotte+der+Ayatollahs im ZDF.
Solange das Regime seine Schläger bezahlen kann, wird die Unterdrückung weitergehen. In Syrien haben wir gesehen: Erst wenn die Kassen leer sind, bröckelt die Loyalität der Milizen. Aktuell herrscht im Iran wieder eine trügerische Friedhofsruhe. Doch unter der Oberfläche brodelt es weiter.
Das nächste „Window of Opportunity“
Eine Revolution braucht Schnelligkeit. Die berüchtigten Basidsch-Milizen brauchen etwa 48 Stunden, um ihre volle Terror-Wirkung zu entfalten. In diesem kurzen Zeitfenster muss der Umbruch gelingen5Hintergrundinformationen im Podcast von Natalie Amiri bei Ronzheimer https://shows.acast.com/ronzheimer/episodes/massenmord-im-iran-kommt-jetzt-der-us-schlag-mit-natalie-ami. Der Westen hat diese Momente in der Vergangenheit leider zu oft ungenutzt verstreichen lassen.
Doch das nächste Fenster wird sich öffnen: Der Tod von Ali Chamenei6Mehr über Ali Chamenei auf Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Ali_Chamenei.
Der oberste Religionsführer ist fast 90. Seine „biologische Uhr“ tickt. Sein Ableben wird ein Machtvakuum hinterlassen. Wenn in diesem Moment Machtkämpfe zwischen der Armee, den Gardisten und den Milizen ausbrechen, ist das die Chance für das Volk.
Was wir jetzt tun müssen (und was nicht)
Ich sehe militärische Interventionen von außen äußerst kritisch. Ein Angriff durch die USA oder Israel würde Chamenei zum Märtyrer machen und das Volk aus falschem Patriotismus wieder hinter das Regime zwingen. Wir brauchen keinen neuen Krieg, sondern:
- Digitale Brücken: Wir müssen Kommunikationswege für die Opposition offenhalten und ihr interne Kommunikation und Organisation ermöglichen.
- Gezielte Unterstützung: Solidarität ist mehr als ein Hashtag – es geht um echte politische Isolierung des Regimes.
- Rechtsstaatlichkeit statt Rache: Die Verbrecher gehören vor ein internationales Gericht, nicht hingerichtet. Wir dürfen uns nicht auf ihr Niveau herablassen.
Was denkt ihr? Hat der Iran eine Chance auf eine friedliche Revolution nach Chamenei, oder ist das System zu fest im Sattel? Schreibt mir eure Meinung in die Kommentare!
#MeinSenfDazu ist mein Format für die bunte Tüte. Sharing is Caring und kommentiere gerne. Bloggen ist Kommunikation, also Geben und Nehmen, im Fediverse allemal. Ich freue mich auf deinen Senf.
Anmerkungen & Quellen
Bildquellen
- Mein Senf dazu.: ChatGPT



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