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18. Oktober 2017

Wer Fisch-Hampe wirklich auf dem Gewissen hat – Folge 3

Warum Linden-Limmer eine quartiersbezogene Wirtschaftsförderung braucht

Schmuckplatz Linden
Nicht so schön, wie sein Name verspricht: der Schmuckplatz
Die größte Schwierigkeit der Welt besteht nicht darin, Leute zu bewegen, neue Ideen anzunehmen, sondern alte zu vergessen.John Maynard Keynes

Fisch-Hampe und die Dolchstoßlegende

Fisch-Hampe und die Folgen
Die Schließung von Fisch-Hampe ist nur ein Symptom. In einer kleinen Artikelserie beleuchte ich die Hintergründe und wie wir mit einer quartiersbezogenen Wirtschaftsförderung gegensteuern können.

Motiviert durch Ingmar Hampes Abschiedsbrief, sieht die Berichterstattung bisher die Verantwortung für die Schließung bei der Verkehrspolitik im Allgemeinen und beim Bezirksrat im Besonderen. Und nicht nur im Bezirksrat haben törichterweise tatsächlich einige den Fehdehandschuh aufgenommen.

Der Schmuckplatz erhielt 1996 in etwa seine aktuelle Form. Dabei seien 4 Parkplätze verloren gegangen. Das ist etwas zu lange her, um sich “jetzt” negativ auszuwirken.

In den letzten sieben Jahren, in denen ich dem Bezirksrat angehörte, ging es lediglich 2011ff um die Straßenbaumaßnahmen im Kötnerholzweg und den neuen Schulweg. Ich kann mich an keinen Gewerbetreibenden erinnern, der in der Bürgerfragestunde oder sonstwie mit dem Bezirksrat Kontakt aufgenommen und Beeinträchtigungen durch die Verkehrsplanung vorgetragen hätte. Wohl aber erinnere ich mich an Anwohner – und Eltern, wegen des Schulweges dort – die sich wegen der Unübersichtlichkeit durch parkende Autos Sorgen machten. Jetzt nachträglich die Verantwortung im Bezirksrat abzuladen, halte ich nicht für angemessen.

Dauerbrenner Auto

Das Auto wird immer mehr zum Stein des Anstoßes, es spaltet die Bürger. Auf der einen Seite sind die Personen, die auf ein Auto angewiesen sind. Oder zumindest davon überzeugt sind. Auf der anderen Seite sind die Menschen, welche die Belastungen und Gefahren sehen, die vom Auto ausgehen. Das Tragische ist: beide Seiten haben irgendwo Recht. Wie verhärtet die Fronten sind, zeigen die Diskussionen um die Grüne Banane oder die PlatzDa!-Initiative für den Lindener Marktplatz. Freunde und Feinde des Automobils werden sich aber arrangieren müssen.

Wieviel Auto braucht der Mensch zum Leben? Klick um zu Tweeten

Hat die Stadt die Jagd auf Autofahrer eröffnet?

Wenn über Behinderungen des KFZ-Verkehrs oder fehlende Parkplätze geklagt wird, werden gerne „die“ Politik und ganz besonders „grüne Öko-Faschisten“ als Verursacher ausgemacht. Und die ganzen Verbote würden ja auch nur erlassen, um die Autofahrer zu quälen. „Die“ Politiker haben ja auch sonst nichts besseres zu tun.

Richtig ist vielmehr, dass sich die Verkehrspolitik um einen Interessenausgleich von motorisierten und nicht-motorisierten Bürgern bemühen muss. Nicht zuletzt der Diesel-Skandal zeigt was passiert, wenn man nicht genau hinschaut. Autolobbyisten vertreten die Automobilindustrie und Autofahrer. Einen Alleinvertretungsanspruch für alle Bürger hat die Autolobby aber nicht.

Die Stadt errichtet Parkverbote da, wo sonst Gefahren oder Probleme durch parkende Autos entstehen. Poller werden da aufgestellt, wo sich Autofahrer nicht an das Parkverbot halten.

Sehr viele Radfahrer verhalten sich dabei immer stärker völlig regelwidrig – rasen auf dem Fußweg, wo Radfahren überhaupt nicht erlaubt ist. Vor dem Geschäft sowie auf dem gesamten Platz ist KEIN Fahrradweg!

Als neueste Missetat wurde kurz vor Weihnachten 2016 eine weitere Abpollerung direkt vor unserem Lieferanteneingang installiert, um auch die letzte Möglichkeit zu beseitigen, normal (unerlaubt) beliefert zu werden.

Das ganze Drama Autofahrer gegen Radler auf den Punkt gebracht: Radfahrer sollen nicht da fahren, wo kein Radweg ist. Autos sollen aber parken dürfen, wo kein Parkplatz ist.

Frischer Fisch – wie weit würden Sie dafür gehen?

Es hält sich hartnäckig die Überzeugung, (fast) jedes Geschäft würde blühen und gedeihen, wenn es denn nur genügend Parkplätze direkt vor der Ladentür hätte. Die Wirklichkeit sieht ein wenig anders aus. Und wo es Parkplätze gibt, sind sie von Dauerparkern belegt und stehen nicht für den Kundenverkehr zur Verfügung. Ingmar Hampe schreibt ja selbst, dass ständig jedes freie Fleckchen von den Kunden des Wettbüros nebenan blockiert wird.

Fakten zum Verkehr
Linden-Limmer hat die niedrigste Fahrzeugdichte in Hannover (333 PKW je 1.000 Einwohner, Stadtdurchschnitt 452). In der Innenstadt Hannovers ist das Verhältnis von Verkaufsflächen zu Parkflächen noch erheblich schlechter.

Für Kunden von außerhalb Lindens ist es eine individuelle Kosten-Nutzen-Überlegung, ob sich der Weg lohnt: Welche Mühen ist es mir Wert, dass Angebot von Fisch-Hampe zu nutzen? Die bequeme Erreichbarkeit (= Zeitaufwand , Parkmöglichkeit und! Verkehrsmittel!) ist dabei ein Faktor. Der andere Faktor ist die Attraktivität des Angebotes und die der Alternativen. Der zweite Faktor lässt sich durch ergänzende/passende Angebote, attraktive Geschäfte in unmittelbarer Nachbarschaft, stark beeinflussen. Dem stand bei Fisch-Hampe allerdings die Insellage entgegen. Wie wichtig das Umfeld-Angebot ist, ist spätestens seit der Aufwertung der Deisterstraße bekannt.

Was hätte hier helfen können?

Mehr Parkplätze helfen eher der Automobilindustrie als dem ortsansässigen Gewerbe. Eine quartiersbezogene Wirtschaftsförderung kann das Umfeld in den Blick nehmen, kann versuchen, eine Anbindung an die Limmerstraße herzustellen. Genau so denkbar ist ein Umzug in ein freiwerdendes Ladenlokal in der Limmerstraße, um von einer besseren Publikumsfrequenz zu profitieren.

Lesen Sie in der nächsten Folge: „Wer wird der nächste Fisch-Hampe sein?In Kürze online!

Was bisher geschah:

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2 Kommentare zu Wer Fisch-Hampe wirklich auf dem Gewissen hat – Folge 3

  1. Hallo,
    vollkommener Quark diese Schreibe hier. (meine Meinung)
    Habe selber am Schmuckplatz gewohnt.

    Fakt ist: PKW Parkplätze und Park- und Haltemöglichkeiten wurden seit 1996 immer weiter eingeschränkt.
    Fakt ist ebenso: Fisch Hampe hatte nicht nur Linden als Einzugsgebiet. Habe selbst einigen Leuten den Laden empfohlen und die waren bereit durchaus 30 oder 40 Km zu fahren (oftmals auch Pendler, die sich öfters in Hannover befanden ..), um endliche wieder guten Fisch in einem Laden kaufen zu können. Das hat auch viel mit Vertrauen zu tun, der Hampe entgegen gebracht wurde. Bzw. mit dem Misstrauen gegen über den Fischbuden auf den Wochenmärkten.

    imho hat Der Bezirksrat Linden versagt. So oder so. Denn wenn ich als Politiker nicht auf die Bürger zu gehen und zeige, dass mich die Sorgen und Nöte der Menschen interessieren habe ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die falsche Profession gewählt.

    Bernd Hillert (in Linden seit 1994)

    • Quark? Dies ist ein Blog und keine Molkerei.

      Niemand bestreitet, dass die Parkplätze weniger werden oder das Fisch Hampe auch Kunden außerhalb Lindens hatte. Der Bezirksrat und die Stadt haben auf Sorgen und Beschwerden der Anwohner reagiert, dass durch Falschparken unübersichtliche, gefährliche Situationen entstehen. Die Ecke ist auch Teil eines Schulweges. „DIE Politik“ geht also durchaus auf die Menschen zu. Scheinbar nur immer auf die falschen. Und nochmal: zu meiner Zeit im Bezirksrat hat sich niemand beschwert, er könne nicht vor Fisch-Hampe parken und einkaufen. Auch Herr Hampe nicht. Ich finde es nicht richtig, nichts zu sagen, aber hinterher andere zu beschimpfen und verantwortlich zu machen.

      Dabei hätte es Fisch-Hampe so einfach wie niemand sonst gehabt: Traditionell hat der Bezirksrat die Platten für seinen Weihnachtsempfang immer bei Fisch-Hampe eingekauft. Da hätte Herr Hampe doch mal auf dem kleinen Dienstweg seine Beschwerde vorbringen können.

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