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20. August 2017

So werden wir beim Fössebad hinter die Dusche geführt – Teil 3

Ist der Stadt jedes Mittel recht und der Bürgerwille egal?

Fössebad, leeres Freibadbecken
Das Fössebad - eine unendlich traurige Geschichte

Das Hütchenspiel um Freibad und Sauna

Im Mai 2016 war die Welt noch fast in Ordnung. Nach Bäderanalyse, Wasserflächenkonzept und vielen, vielen Jahren stellt die Stadt endlich eine Machbarkeitsstudie vor, wie es mit dem Fössebad weitergehen könnte. Wir erinnern uns: Für die gesamte Stadt gibt es nun ein Bäder- oder auch Wasserflächenkonzept, welches Bad welchen Schwerpunkt bekommen sollte, damit alle zufrieden sind und alle Möglichkeiten optimal und kostengünstig ausgeschöpft werden. Es gibt auch ein Konzept, wie die knappen Wasserzeiten möglichst gerecht unter den Vereinen und dem Publikum verteilt werden. Das die Wasserflächen eigentlich zu knapp sind, darin waren sich alle einig. Deshalb gab es ja die vielen Pläne, damit niemand zu kurz kommt.

2016 zum greifen nah - heute unmöglich? #FoesseFREIbad Klick um zu Tweeten

Mai 2016: Fünf Machbarkeitsstudien. Alle mit Freibadbereich.

  • Die Sanierung des Fössebades, wobei die Halle und das 25-m-Becken neu gebaut werden (müssen): 20 Mio. €.
  • Die Sanierung des Fössebades, wobei die Halle mit einem 50-m-Becken neu gebaut wird: 24,6 Mio. €.
  • Neubau mit 50-m-Becken, Lehrschwimmbecken und Sauna: 25 Mio. €.
  • Neubau mit 50-m-Becken, Lehrschwimmbecken aber ohne Sauna: 23,1 Mio. €.
  • Neubau mit 25-m-Becken, Lehrschwimmbecken, Eltern-Kind-Becken, ohne Sauna 19,8 Mio. €

Ein Freibadbereich ist in allen Varianten enthalten.

Ganz offensichtlich: Neubau ist wirtschaftlicher und zukunftssicherer als Sanierung. Der einzige Aufreger damals: Das Béi Chéz Heinz ist unter die Räder gekommen. Aber dazu ein andermal mehr.

Die optimale Variante kostet 25 Mio. €.

Für 25 Mio. € kann es ein 50m-Becken, mit Lehrschwimmbecken, Sauna und Freibad geben. Das sagen die Architekten und das beauftragte Planungsbüro. Ich vermute, man hat die Experten ordentlich ausgewählt und sie wurden für ihre ordentliche Arbeit auch ordentlich bezahlt.

Mai 2017: Ein Entwurf. Kein Freibad. Keine Sauna.

Plötzlich kostet der Neubau des Fössebades mit 50m-Bahn, aber ohne alles, was ein Stadtteilbad ausmacht, 19,5 Mio. €. Das ist der Preis, der zwar nicht in der Drucksache steht, aber öffentlich genannt wird. Die Differenz zur optimalen Variante aus dem Mai 2016 beträgt knapp 6 Mio. €. Oder mit etwas Dreisatzrechnung: Ein kleines Freibadbecken von 25 x 20 m kostet 4 Mio. € und eine kleine Sauna 2 Mio. €?! Wohlgemerkt: Als integrierte Elemente in einer Gesamtanlage. Also kein extra eigenes Gebäude o. ä. wie bei einer Standalone-Lösung.

Die Wahrheit liegt in der gnadenlosen Ausrichtung auf Sport und Wettkampfveranstaltungen. Das ist offensichtlich: Ein wettkampftaugliches Bad mit Tribünen und allerlei notwendigen Einrichtungen für das Publikum ist nun mal erheblich teurer. Da muss dann irgendwo anders gespart werden. An Freibad und Sauna?

Nicht Freibad und Sauna treiben den Preis, sondern die Sportausstattung!

Korrekte Ansage | Screenshot haz

In Wirklichkeit braucht die Stadt ein zweites Stadionbad. Das versucht sie jetzt möglichst billig zu bekommen. Auf Kosten der Wasserflächen, die nun für Familien und Freizeitschwimmer verloren gehen.

Was ich der Stadt vorwerfe, ist diese Unehrlichkeit und Feigheit. Sie hätte zugeben müssen, „Ja, wir brauchen ein zweites Stadionbad und wir wollen das. Dafür nehmen wir Geld in die Hand.“ Stattdessen tut sie so, als ob das Fössebad immer eine reine Wettkampfarena gewesen wäre und die Bürger jetzt größenwahnsinnig für ihren Luxus ein Freibad und eine Sauna wünschen.

Hannover braucht ein 2. Stadionbad - nicht weniger #FoesseFREIbad Klick um zu Tweeten

Die Aufgabenstellung an die Stadt war, vorhandene Infrastruktur zur erhalten und wo notwendig zu erneuern. Sportliche, aber vor allem auch soziale Infrastruktur. Und bei dem bekannten Mangel an Bahnzeiten muss sie die Wasserflächen erweitern. Aber an dieser Aufgabe ist die Stadt gescheitert. Sie vergrößert die Wasserflächen nicht. Stattdessen kürzt sie die Wasserflächen für die Mehrzahl der Bürger zugunsten des Vereins- und Wettkampfsports. Hier wird nur umverteilt.

Bürger und Vereine dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden

Selbstverständlich sollen die Vereine ihre Bahnzeiten und ein zweites 50m-Becken bekommen. Denn die Vereine leisten Großartiges, auch der Vereinssport ist wichtig. Aber das geht nicht zu Lasten der Mehrheit. Die Stadt muss sich endlich ehrlich machen und mehr in den Wassersport investieren. Denn auch das ist Aufgabe der Stadt: Für einen gerechten Interessenausgleich sorgen – nicht Gruppen gegeneinander aufwiegeln.

Lesen Sie in der nächsten Folge:
Hat  Hannover plötzlich überdurchschnittlich viel Wasserfläche pro Kopf? Oder wie eine Statistik Deutschland trocken legt.

 

 

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