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20. August 2017

Mindestlohn: Der Berg kreißte und gebar… ein Trostpflaster

Mindestlohn mit Lücken

Mindestlohn, Euromünzen, Kleingeld
Mindestlohn 8,50 € - wie weit reicht das?

Eigentlich ein schlechter Witz: Deutschland hat es endlich geschafft, als 21. Land 1 der EU den Mindestlohn einzuführen. „Satte“ 8,50 €. Hat sich dafür die ganze Aufregung gelohnt?

Ich weiß gar nicht mehr, wie lange schon ein Mindestlohn für Deutschland gefordert wurde. Ich kann mich noch an eine Aktion für den Mindestlohn auf dem Lindener Marktplatz erinnern. Es muss so 2008 gewesen sein, zusammen mit Sebastian Wertmüller vom DGB. Schon damals forderte das Bündnisses für Mindestlohn 2 8,50 €. Das ist gut und gerne 7 Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere,  forderte Die Linke schon damals 10 € pro Stunde als Minimum. Zum Vergleich: Mit einem Stundenlohn von 7,98 € erreichen Sie (als Single) gerade mal Hartz IV Niveau 3. Obendrein verhageln etliche Lücken im Mindestlohn den letzten Rest von Freude.

Arbeitgeber kämpfen bis zuletzt gegen den Mindestlohn

Peinlicherweise verstiegen sich die Arbeitgeberverbände am Schluss noch zu der Behauptung, der Mindestlohn vernichte schon Arbeitsplätze – noch bevor er überhaupt eingeführt wurde. Das was dann sogar der Bundeskanzlerin zuviel. So viel zur Seriosität von „Wirtschaftsweisen“.

Zum Glück: die Stimmung dreht sich in der Wirtschaft

Jetzt finde ich ein Interview mit dem Hauptgeschäftsführer des Friseurhandwerks Jörg Müller (eigentlich eher eine klassische Niedriglohn-Branche) im Tagesspiegel, der dem Mindestlohn positive Seiten abgewinnt. Das ist ein guter Anfang.

Denn der Mindestlohn hilft auch der Wirtschaft: Er stoppt die Abwärtsspirale, das „Race to the bottom“, das die fairen, gut zahlenden Arbeitgeber in den Ruin treibt. Und welches Menschenbild haben eigentlich Unternehmer, denen der Lohn gar nicht niedrig genug sein kann? Wer Mini-Löhne fordert, hat die Wirtschaft gleich zweimal nicht verstanden:

  1. Kein Unternehmen kann (auf Dauer) unter Einstandskosten seine Waren oder Dienstleistungen verkaufen. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für den Arbeitnehmer: Er muss mit seiner Arbeitskraft zumindest ein auskömmliches Leben erwirtschaften 4. Was du nicht willst, dass man dir tu…
  2. Vorenthaltener Lohn bedeutet weniger Kaufkraft. Ohne Kaufkraft der Konsumenten wird der Unternehmer aber nichts verkaufen können.

Es werden tatsächlich einige Arbeitsplätze verschwinden. Arbeitsplätze, die den Arbeitnehmer ohnehin nicht aus der Abhängigkeit sozialer Leistungen befreien. Und das finde ich gut so. Denn Arbeitsplätze, die von vornherein darauf spekulieren, dass der Arbeitnehmer mit staatlichen Leistungen seinen Lebensunterhalt ergänzen muss, sind es nicht Wert erhalten zu werden. Unternehmen, die Aufstocker-Arbeitsplätze anbieten, sind die wirklichen und schlimmsten Sozialschmarotzer. Wir subventionieren solche Firmen mit unseren Steuergeldern. Ihren und meinen. Wollen Sie das?

Mein Fazit zum Mindestlohn

Der Mindestlohn ist endlich da. Jetzt kann es nur noch besser werden 😉

Quellen und weiterführende Links

Bildnachweis

Foto Kleingeld © drniels via freeimages.com

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  1. von 28 EU-Mitgliedern
  2. Gewerkschaften, SPD, Grüne
  3. Prof. Dr. Gerhard Bäcker von dem Institut für Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen (IAQ)
  4. Vom Ansatz der Herren Marx und Engels ganz zu schweigen: den erwirtschafteten Mehrwert gerecht zu verteilen.

1 Kommentar zu Mindestlohn: Der Berg kreißte und gebar… ein Trostpflaster

  1. Ich sehe die Einführung des Mindestlohnes schon als ganz wichtigen Schritt in die richtige Richtung an. Allerdings muss sich in diesem Bereich doch noch einiges tun, damit die Menschen, die arbeiten gehen, auch endlich wieder von ihrem Gehalt leben und eventuell eine Familie ernähren können. Das ist ja leider aktuell sehr oft nicht der Fall.

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