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18. Oktober 2017

Zwischen Meinung und Journalismus – Madsack steht zu suggestiven Fragen

Leere, alte und verstaubte Flaschen
Alt und verstaubt. Foto: Bhavyesh Acharya

Der Bericht über die manipulierte Umfrage zu Grüner Politik in Hannover bekommt einen zweiten Teil: Im ersten Teil ging es darum, wie die Umfrage nicht nur mit suggestiven Fragen Stimmung macht, sondern auch, wie die Zahlen der Umfrage nach Abschluss geändert wurden. Es sieht ganz danach aus, dass Madsack Ziel eines Hackerangriffes geworden ist.

Die gute Nachricht: Das verfälschte Resultat der Umfrage wurde inzwischen von Netz genommen. Die weniger gute Nachricht: Die suggestiven Fragen und die einseitige Sicht ist durchaus gewollt:

Einen Server hacken und gezielte Manipulation sind kein trollen. Trollen ist was anderes. Aber geschenkt.

haz-Umfrage vom 06.12.16, aus der Onlineausgabe vom 12.12.16

Die Umfrage selbst soll also Meinung sein? Ich meine: Seriöse Journalisten trennen Meinungen von Berichten – und auch Umfragen.

Man muss die Grünen nicht gut finden. Man kann, darf, ja muss auch Kritik an ihnen üben. Ich weiß wovon ich rede. Ich bin schließlich selber vor einigen Jahren bei den Grünen ausgetreten.

Auch eine Zeitung kann eine Haltung haben, eine Meinung vertreten. Von einer guten Zeitung erwarte ich das sogar. Aber: Für die Meinungen der Redaktion wurde der Kommentar erfunden. Damit der Leser klar erkennen kann, was ist Bericht und was ist Meinung. Eine offen dargelegte Meinung tut einer Zeitung sogar gut. Denn sie hilft, einen Bericht besser einzuordnen. Denn ein Bericht ist niemals objektiv, er ist immer durch die Brille des Journalisten gefärbt. Das beginnt schon mit der Auswahl, welche Nachrichten gebracht werden und welche nicht.

Warum also schreibt Madsack nicht einfach einen Kommentar, dass die Grünen nun mit der FDP ein Gegengewicht bekommen haben? Und dadurch für Hannover jetzt bessere Zeiten anbrechen (wie man in der Redaktion zu meinen scheint)?

Infografik: Wie zuverlässig sind Zeitungen? | Statista
Ein Vergleich: So vertraut Europa seinen Zeitungen – stark verbesserungsbedürftig

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Die Umfrage betreibt Stimmungsmache schon in der Themenstellung („… nicht mehr viel zu melden…“), mit Suggestivfragen („… Öko-Diktat…“) und gefährlichen Aussagen („… Einfluss der Politik wird eh völlig überschätzt…“).

Wenn die Presse „Vierte Gewalt“ bleiben will, dann muss sie mit seriöser Berichterstattung zur Meinungsbildung beitragen, zu Demokratie und Teilhabe motivieren. Meinungen manipulieren und die Demokratie kleinreden, das tun andere schon zuviel.

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1 Kommentar zu Zwischen Meinung und Journalismus – Madsack steht zu suggestiven Fragen

  1. Die Kritik an der HAZ ist gerechtfertigt, aber zugleich auch nur Ausdruck eines geänderten Medienkonsum-Verhaltens. Immer häufiger habe ich den Eindruck, dass es kaum noch möglich ist, was doch eigentlich außerordentlich wünschenswert wäre. Nämlich das langfristige gezielte Bearbeiten von Problemfeldern. Viel zu schnell schießt eine Interessensgruppe quer und erweckt den Eindruck als würden sie jetzt ganz arg von der Politik benachteiligt oder übersehen.

    Aktuelles Beispiel: Die Parkplätze in Hannover sind zu klein und die Straßen zu schmal für die angeblich „modernen“ Autos. So der Tenor der Lokalteilberichterstattung.

    Die angeblich Betroffenen machen einen gewaltigen Affentanz drum und die Zeitung fragt sich, ob sie es wagen kann hier realitätsgerecht zu berichten: Parkplätze oder Straßen schrumpfen nicht, die Autofahrerschaft aber schafft sich immer größere Autos an.

    Stattdessen stilisieren HAZ und NP allzuoft diejenigen, die ihre Misere selbst verschulden, zu Opfern einer angeblich „ideologie-befeuerten Verkehrspolitik“. Und das macht die Zeitung aus der Angst heraus, dass ihre Leser andernfalls ganz und gar in den sogenannten „sozialen Netzwerken“ abtauchen, weil sie sich da verstanden fühlen von den vielen Gleichgesinnten, mit denen man ganz automatisch zusammentrifft, weil die Netzstruktur das so vorgibt.

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