Neulich
11. Dezember 2017

Limmerstraße, noch ein Bäcker und #koelnhbf

Ist jetzt Linden-Bashing angesagt?

Limmerstraße, Fleischerei Gothe
Wieder ein Traditionsbetrieb weniger

Nicht diejenigen sind zu fürchten, die anderer Meinung sind, sondern diejenigen, die anderer Meinung sind, aber zu feige, es zu sagen.
Napoleon Bonaparte, 1769-1821

In der Limmerstraße eröffnet noch ein Bäcker und die Welt rastet aus. Wirklich tragisch ist eigentlich nur, dass mit der Fleischerei Gothe wieder ein ortsansässiger, selbstständiger Unternehmer die Limmerstraße verlässt. Demnächst eröffnet dort ein hannöverscher Bäcker eine weitere Filiale. Auf Facebook kommt es darüber zu etwas Gemaule. Was aber eigentlich nicht weiter erwähnenswert ist, denn maulen, meckern, pöbeln und hetzen sind die beherrschenden Inhalte – ups, sagte ich tatsächlich “Inhalte”? – dieses irreführenderweise “Soziales” Netzwerk genannten Medienkonzerns. Ein paar schlechtgelaunte MitbürgerInnen ferkeln ein kryptisches Graffiti auf das Schaufenster. Dieser mehr als schlichte Sachverhalt ist der Lokalpresse bis heute schon mal vier Beiträge wert (zumindest in ihrer Online-Version). Tenor: Linden dreht am Rad.

Ja, ist denn schon wieder Sommerloch?

Heute schon über #Linden gelästert? Klick um zu Tweeten

Wahrscheinlich ist auch das eine Auswirkung des Klimawandels, dass mitten im Winter ein Thema hochgejazzt wird, als hätten wir 37 Grad im Schatten und Sommerloch. Natürlich hat Linden im Allgemeinen und die Limmerstraße im Besonderen nicht händeringend auf einen weiteren Bäcker gewartet. Aber erstens haben wir freien Marktwirtschaft und zweitens hätte es uns mit einem weiteren Telefonshop, Ein-Euro-Laden oder Friseur noch weitaus härter treffen können. Von Leerstand ganz zu schweigen. So gesehen: Herzlich willkommen Herr Göing und viel Erfolg!

Mir fällt auf, dass alle vier Beiträge in der hiesigen Lokalpresse nicht von der sonst hier arbeitenden Redakteurin geschrieben worden sind, die sich in Linden auch auskennt. Nein, offensichtlich haben die Alpha-Rüden der Redaktion sich das Thema unter den Nagel gerissen, um mal wieder nach Herzenslust gegen Linden sticheln zu können.

Toleranz heißt auch, Kritik zuzulassen

Linden wird vorgeworfen, doch sonst immer so tolerant zu sein. Wieso also “plötzlich” Kritik, wenn sich neue Unternehmen ansiedeln wollen? Andererseits: Warum sollte man seine Unzufriedenheit nicht äußern dürfen, wenn man mit noch einem zusätzlichen Bäcker nicht einverstanden ist? Lediglich die Schmiererei auf der Schaufensterscheibe ist ebenso sinnfrei wie überflüssig. Aber wenn die Aufmerksamkeit schon mal halb hochgeschaukelt ist (Facebook und Presse), dann finden sich garantiert auch ein paar Gestalten, die sich mit unangemessenen Aktionen wichtig machen wollen. Was regelmäßig nach hinten losgeht, weil die “Gegenseite” dadurch “moralischen Rückenwind” verspürt (noch mehr Facebook und Presse).

Überrascht ist nur, wer Linden nicht kennt

Napoleon: Nicht diejenigen sind zu fürchten, die anderer Meinung sind, sondern diejenigen, die anderer Meinung sind, aber zu feige, es zu sagen. Klick um zu Tweeten

Linden ist eben nicht nur tolerant, Linden ist auch offen und direkt. Das erste Dutzend Bäckereien auf der Limmerstraße ist ja nun bald komplett. Und ganz im Sinne des napoleonischen Zitats oben: Einige (!) LindenerInnen haben ihre Kritik daran geäußert – und das ist auch gut so. Damit können wir das erste Kapitel eigentlich abschließen. Jetzt kommt es auf den Alltagstest an: Wird sich das neue Unternehmen in die Netzwerke und Aktivitäten Lindens einbringen?

Wer mitmacht, gehört in Linden dazu

Linden ist ein Netzwerk. Wer den Stadtteil gestalten will macht mit. Klick um zu Tweeten

Das Unbehagen gegenüber neuen Geschäften in der Limmerstraße rührt auch daher, dass sich nicht alle neuen Unternehmer in die Gemeinschaft einbringen. Regelmäßige Nagelprobe ist das Limmerstraßenfest: Alle Geschäfte in der Limmerstraße profitieren gern von diesem Höhepunkt des Lindener Kalenders. Aber nur noch ein Bruchteil beteiligt sich auch an den Kosten und der Organisation dieses beliebten Festes. Aber es gibt noch eine Reihe weiterer Netzwerke, die im Hintergrund den Lindener Gemeinsinn am Leben erhalten: das Wirtschaftsforum Lebendiges Linden, die Stadtteilforen Linden-Nord und Linden-Süd, um wenigstens die aktivsten zu erwähnen. Hier ist Engagement höchst willkommen.

Nebenbei gesagt: Auch für die Graffitiker (= Menschen, die ihre Kritik durch Graffitis äußern) wäre das Lindener Netzwerk ein besseres Forum für ihre Meinung als Schaufenster und Häuserwände.

Linden – so fühlt es sich also an, Feindbild zu sein

Ist jetzt #Linden -Bashing angesagt? Klick um zu Tweeten

Die nicht gerade gelungene Pressekampagne rückt Linden nicht nur in ein schlechtes Licht. Im Schlepptau dieser tendenziösen Berichte tobt sich nun auch noch ein sinisteres Völkchen in den Leserbriefen und Kommentaren aus. Offensichtlich fühlt sich die geballte intellektuelle Elite Hannovers jetzt aufgerufen, ihre Minderwertigkeitskomplexe und ihren Neid auf Linden in die Foren der Lokalpresse zu kübeln. Selbst die umtriebige Tunnel-Lobby findet wieder einen Dreh sich einzumischen. Grotesk.

Da sehe ich die Parallele zur allgegenwärtigen Flüchtlingsdiskussion: Statt miteinander zu reden und gemeinsame Wege zu finden wird übereinander nur noch gemotzt. Statt Risiken und Chancen zu bearbeiten wird Schwarz/Weiß gemalt und diffamiert.

So wie Geflüchtete und ihre Unterstützer in eine Ecke gedrängt werden, so finden sich plötzlich auch Lindenerinnen und Lindener jenseits einer scharf definierten Grenze wieder. Das ist zwar ein zugegeben recht gewagter Vergleich, aber man kann ja mal darüber nachdenken. Und das ich hier mit gleicher Kelle zurückgebe, den Schuh muss ich mir natürlich anziehen. Aber wenn wir dadurch wieder auf normale Betriebstemperatur kommen, dann ist es das wert.

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